Berufserkundungsparcours 2024
Kurz vor den Sommerferien erhielten die Schülerinnen und Schüler der 1. Oberstufe Ruswil Einblicke in die Arbeitswelt. Davon profitierten nicht nur die Lernenden, auch die Betriebe nutzen die Gelegenheit, sich zu präsentieren.
Schule und der Gewerbeverein organisierten am Dienstag gemeinsam den Berufserkundungsparcours. Alle Jugendlichen konnten in drei verschiedene Berufe schnuppern und während jeweils 1 ½ Stunden einen ersten Eindruck der Aufgaben erhalten. 73 Unternehmen beteiligten sich und boten total 81 Berufe an.
Der Tag sei für beide Seiten eine Chance, sagt Pirmin Rogger, verantwortliches Vorstandsmitglied des Gewerbevereins. Die Schülerinnen und Schüler würden in kurzer Zeit einen Einblick in ihre drei Wunschberufe erhalten. Für die Betriebe sei es eine Gelegenheit, sich den Schülerinnen und Schülern zu zeigen und sie zu motivieren, vor Ort eine Lehrstelle zu suchen.
Mehr Interesse an Digitalisierung-Berufen
Der Berufserkundungsparcours stellt ein wichtiges Element dar für die Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zu einer Lehrstelle. Vorgängig haben alle schon das Berufsinformationszentrum in Luzern besucht und sich über die Wunschberufe informiert. Oliver Fischer ist Lehrer an der Schule Ruswil und koordiniert den Tag zusammen mit dem Gewerbeverein. Er sagt: «Wir können an diesem Tag zusammen mit dem Ruswiler Gewerbe praktisch alle gewünschten Berufe anbieten.» Im Nachgang werden die Lernenden jeweils einen Beruf in der Klasse präsentieren.
Eine langfristige Statistik über die gewählten Berufe führt man an der Schule nicht. Doch es hätten tendenziell mehr Jugendliche Berufe mit hohem Anteil Digitalisierung gewählt wie Informatiker oder Polygraph. Eher weniger gefragt seien Montage oder Sanitärinstallateur. Es gebe immer noch viele Berufe in den Bereichen Gesundheit, Pflege oder Kleinkinder-Betreuung, welche typischerweise von Mädchen gewählt würden, während Knaben eher handwerkliche Tätigkeiten als Wunsch angeben.
Vor sechs Jahren am Parcours, heute Köchin im Restaurant
In der Rottal Drogerie sind im ersten Block an diesem Morgen zwei Mädchen auf Ladenrundgang und lassen sich das Sortiment erklären. Später werden Sie noch eine Teemischung herstellen und erfahren, wie die Lehre zum Drogisten aussieht. Geschäftsführerin Tanja Prudente sagt, man zeige immer gerne Jugendlichen den Beruf. «Sie können neugierig sein, ohne sich schon für etwas entscheiden zu müssen». Zudem sei wichtig, am Markt zu sein und zu hören, wie die Jugendlichen darüber denken und welche Fragen sie hätten. Gerne gebe man auch Tipps für Bewerbungen.
Im Restaurant Lamm in Buholz schnuppern die Lernenden in den Berufen Koch/Köchin und Restaurationsfachmann/-frau. In der Küche schälen sie Rüebli, rollen Bohnen mit Speck ein und tunken Chicken Nuggets in Ei und Paniermehl. Schülerin Adriana Santos gefällt die Arbeit. Sie koche gerne und lerne gerne Neues. Ihr Interesse ist breit gefächert, an diesem Morgen wird sie noch als Logistikerin arbeiten, am Nachmittag als Fachfrau Betreuung Kind. Lehrlinge bildet man im Restaurant Lamm selber keine aus. Trotzdem sei es wichtig, am Parcours mitzumachen, sagt Wirt Stephan Riedo. Man könne nicht nur über den Fachkräftemangel jammern und selber nichts dafür tun. «Ich habe immer Freude, wenn sich Jugendliche für den Kochberuf interessieren.» Sollten sie sich dann für eine solche Lehre entscheiden, käme das der ganzen Branche zugute. Seit Kurzem beschäftigt er eine ausgelernte Köchin, die vor sechs Jahren am Berufserkundungsparcours bei ihnen in der Küche stand. Wichtig sei, den Einblick für die Jugendlichen attraktiv zu gestalten. «Sie sollen selber ein paar coole Sachen machen können.» Seit es den Parcours gebe, habe das Interesse am Kochberuf eher zugenommen, im Service sei es etwa gleichgeblieben.
«Ich habe nun eine gute Vorstellung vom Beruf»
Acht Lernende interessieren sich an diesem Tag für den Beruf des Fotografen. Bei der Werbeagentur Effekom zeigt ihnen Romeo Hafner die verschiedenen Aufgaben. «Heute fühlt sich ja fast jeder als Fotograf, doch es geht um mehr als einfach mit dem Handy abzudrücken». Man müsse sich mit einem Auftrag auseinandersetzen und eine spannende Umsetzung finden. Nach den Fotos gehöre auch viel Bildbearbeitung am Computer dazu. Der Beruf sei eine tolle Kombination aus Kreativität, Handwerk und Computer. Nach einer Einführung nahmen die Jugendlichen selber die Kamera in die Hand und übten, wie für einen Kunden spannende Mitarbeiterfotos gemacht werden könnten. Es geht um den richtigen Winkel, das Licht, den Hintergrund. Schülerin Lynn Willimann staunt: «Ich hätte nicht gedacht, dass man für ein gutes Foto so vieles berücksichtigen muss.» Bei Siga schnupperten die Jugendlichen unter anderem als Laboranten. Schüler Nico Rey erfuhr, wie man Stoffe zusammenfügt und was daraus entsteht: «Ich war gwunderig, was man bei diesem Beruf alles macht. Nun habe ich eine gute Vorstellung davon.» Für die guten Erklärungen mitverantwortlich war Leon Ottiger, der im 2. Lehrjahr als Chemie-Laborant arbeitet. Er kann gut mitfühlen: «Der Beruf ist sehr speziell, man hört Chemie und weiss wohl nicht recht, was dahinter steckt.» Darum versuche man, an diesem Tag die Vielseitigkeit zu demonstrieren und eine Hilfe für die Berufsentscheidung zu geben.
Im zweiten Schuljahr wird es konkreter
Vorerst stehen nun für die Jugendlichen die Sommerferien an. Im zweiten Schuljahr stehen dann die nächsten Schritte für die Berufswahl an, wie Lehrer Oliver Fischer erklärt. Zuerst wird der Lebenslauf verfasst, ab Herbst dann das Bewerbungsschreiben. Zudem sollen die Jugendlichen bei Berufen, die sie interessieren, einige Tage schnuppern gehen. Der Berufserkundungsparcours soll somit ein erster Schritt sein auf dem Weg zur gewünschten Lehrstelle.
Text/Foto: Stefan Schmid, Anzeiger vom Rottal